Tour Nr.10 : Festa alla Friulana

Bericht




Kaum ist der letzte Viergesang verklungen, ist’s auch schon wieder hell. Es ist halt nicht einfach, der Kärntner Gastfreundschaft und Sangesfreudigkeit beizeiten den Rücken zu kehren und früh ins Bett zu gehen – mag da tags darauf noch so viel spannende Motorradstrecke auf einen warten.

Doch der strahlende Sonnenschein vertreibt schnell den letzten Bier-Dampf aus dem Kopf, der Frühstückskaffee tut sein übriges und die Böcke sind auch schon aufgetankt, Kette geschmiert, Fliegen vom Scheinwerfer geputzt und was sonst noch alles zur Morgentoilette gehört.

Der Plöckenpaß tut sein übriges dazu. Von Kötschach-Mauthen weg noch Reifen-erwärmend asphaltiert, dann schon etwas urtümlicher und schließlich in eine gröbere Baustelle übergehend nimmt er unsere volle Aufmerksamkeit in Anspruch. Allzu schnell Erschöpfte legen schon auf der Paßhöhe eine - italienische – Kaffeepause ein und gehen erst nach dem Koffein-Doping den Abstieg an.

Nach Überstehen der Tunnel-Kehren lädt das Stück nach Tolmezzo zum herzhaften Gasgeben ein. Dann wird’s wieder eher idyllisch und ruhig. So dünn besiedelt das Friaulische ist, so urig sind seine Straßen: Eng, gewunden, rauh – aber herzlich. Der Weg über die Sella di Chianzutàn eröffnet völlig neue Einblicke in das vielgestaltige Spektrum dessen, was so nebulos unter „Italien„ zusammengefaßt ist. Weit entfernt von Strandleben und lebhaftem Trubel: Kleine, stille Dörfer, zurückhaltende jedoch herzliche Menschen, die wissen wollen: „Da dove venite?„ (Woher kommt ihr?).

Ein Gustostückerl ist der Passo di Rest. Ausgehend vom Tagliamento, der im Sommer fast unter seinen Schotterhaufen verschwindet, steigt die sehr, sehr enge Straße in dicht aufeinander folgenden Kehren an, links und rechts entweder Felsen oder dichter Wald. Vorsicht: Die Strecke ist bei einheimischen Enduristen und Jeep-Piloten sehr beliebt. Der Untergrund ist Asphalt, auch wenn er nicht immer danach aussieht.


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